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Pablo Picasso, Pierrot et Arlequin à la Terrasse d'un Café.Gouache über Bleistift auf bräunlichem Velin. (19)20. Ca. 21 x 27 cm. Signiert unten rechts, verso datiert und römisch nummeriert „IV".„Sie sind weggefahren, ohne mir meinen Harlekin zu liefern. Sie sind schrecklich!” Paul Rosenberg, Brief an Picasso Das vorliegende Blatt besticht sowohl durch seine ausgezeichnete Provenienz als auch durch Picassos kühnen geometrischen Kubismus, der hier schon Anklänge an sein Hauptwerk Guernica enthält. Über Jean Cocteau lernt Picasso 1916 Serge Diaghilev, den Begründer des Ballets Russes, kennen. Durch ihn kommt Picasso zur Bühnengestaltung. Bis 1924 entwirft er die Bühnenbilder für vier Produktionen des Ballettmeisters. Dabei tauchen immer wieder Figuren aus der italienischen Commedia dell’arte auf. Picasso sieht sich dabei selbst als Harlekin, während Pierrot Guillaume Apollinaire verkörpert, Picassos Freund, der im November 1918 an der Spanischen Grippe stirbt. In der vorliegenden Darstellung, 1920 in Juan-les-Pins entstanden, zeigt Picasso rechts am Tisch sitzend, seine charakteristische Pfeife in der Hand. Sein Harlekin-Kostüm mit bunten Rauten wird durch eine Kreuzform angedeutet, die ebenfalls seine überkreuzten Beine darstellen könnte. Gleichzeitig liegt das Kreuz wie eine Schablone über schwarzen, vertikalen Balken, die auch die Stuhlbeine darstellen könnten. Durch diese Überlagerung der Formen entsteht eine räumliche Tiefe in einer ansonsten zweidimensionalen Darstellung. Die traditionelle Augenmaske des Harlekins wird durch ein grünliches Rechteck in der Kopfform aufgegriffen. Neben ihm sitzt Pierrot, das übergroße Gewand durch die hellgrauen und weißen Formen angedeutet, die die schwarze Figur umgeben. Die verschiedenen Kopfbedeckungen der Theaterfiguren, den hohen Hut Pierrots und den Dreispitz des Harlekins, gibt Picasso schemenhaft in Blaugrau wieder. Besonders bemerkenswert bei unserer Darstellung ist die Kopfform in Profil, die aus dem linken Arm des Pierrots über den Tisch zu wachsen scheint. Dieses schwebende Gesicht mit offenem Mund, kräftigem Kinn und Nase ohne Übergang zur Stirn wird sich zu einer Typologie entwickeln, die Picasso auch in seinem Hauptwerk Guernica von 1937 einsetzt. 1920 entsteht eine ganze Reihe von Darstellungen von Theaterfiguren, Musiker oder Stillleben mit Musikinstrumenten, die sich auf Picassos Bühnen- und Kostümentwürfe beziehen. Picassos Pariser Händler und Freund Paul Rosenberg lässt diese Gouachen 1920 in einer 10-teiligen Serie »Dix pochoirs« drucken. Diese Pochoir-Serie ist äußerst selten; eine befindet sich in der Sammlung des Museum of Modern Art, New York. Die vorliegende Arbeit jedoch wird nicht als Pochoir herausgegeben. Stattdessen behält Rosenberg sie selbst bis zu seinem Tod. Er ist ab 1918 Picassos einziger Galerist in Paris und eng mit ihm befreundet, sie nennen sich „Pic“ und „Rosi“. Noch im selben Jahr überredet Rosenberg den Maler dazu, ins Haus neben seiner Galerie in der Rue La Boétie Nr. 21 zu ziehen, um so als Erster die entstehenden Bilder sehen zu können. Ein Jahr später eröffnet der Galerist eine Ausstellung von Picassos Aquarellen und Zeichnungen zu seinen Bühnenbildern für Diaghilevs Inszenierung von ‚Le Tricorne‘. Noch 1962, drei Jahre nach dem Tod Rosenbergs, zeigt seine Galerie in New York dieses Werk in einer Picasso-Ausstellung. Erst 1979 entschließt sich die Familie zum Verkauf.Zervos IV, 70; The Picasso Project 20-327. Ausstellung: Picasso. An American Tribute. The Twenties, Galerie Paul Rosenberg, New York 1962, Kat.-Nr. 18. Provenienz: Paul Rosenberg (1881-1959); Sotheby's, The Paul Rosenberg Collection. Modern paintings and drawings, London 3.7.1979, Los 17, verso auf der Rahmenrückseite mit dem Etikett; Privatsammlung, Deutschland, bei Vorgenannter erworben, durch Erbfolge an die jetzigen Besitzer.Taxation: differenzbesteuert (VAT: Margin Scheme).

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